Sonntag, 30. Dezember 2007

Wie Gefühle unser Leben bestimmen - Antonio Damasio: Der Spinoza Effekt

Antonio R. Damasio (Mediziner und Neurologe)
Der Spinoza-Effekt: Wie Gefühle unser Leben bestimmen
Kartoniert € 9,95 [D], € 10,30 [A], sFr 18,90
ISBN-10: 3548604943
ISBN-13: 9783548604947


Wie eng Gehirn und Körper zusammenwirken zeigt Damasio in seinen neurophysiologischen Forschungen.

Das Buch „Der Spinoza-Effekt“, „Wie Gefühle unser Leben bestimmen“, ist die Fortsetzung seiner Bücher „Descartes Irrtum“ und „Ich fühle, also bin ich“

Damasio trennt zwischen Gefühlen und Emotionen. Nach Damasio sind Gefühle immer verborgen, Emotionen treten auf der „Bühne des Körpers“ auf. Die Emotionen gehen dabei den Gefühlen immer voraus.

Nach Damasio sind alle lebenden Organismen von Geburt an, mit Mechanismen ausgestattet, die dazu bestimmt sind, die Grundprobleme des Lebens automatisch, ohne Denkprozesse im eigentlichen Sinne, zu lösen. Allerdings habe ich die im Klappentext getroffene Feststellung: "Der Spinoza-Effekt ist zudem ein Appell an uns, unseren emotioalen Instinkten und körperlichen Signalen auch in scheinbar vom Verstand gesteuerten Situationen zu vertrauen", in Damasios Buch nicht gefunden.

Wer das Buch gründlich liest, muß feststellen, das vieles, was Damasio so lebendig schildert nach wie vor "graue" Theorie ist. Damasio et. al. konnten zwar an Probanden mit Hirnschädigungen zeigen, welche bedeutsame Rolle Gefühle und Emotionen in der (rationalen!) Entscheidungsfindung spielen. Dieser Aspekt zieht sich durch seine Bücher. Im Buch "Spinoza-Effekt" entwickelt Damasio eine eigene Theorie darüber, in welcher Form Emotionen und Gefühle in unserem Gehirn "organisiert" sein könnten.

Dem aufmerksamen Leser entgeht nicht, das Damasio sich der Grenzen der Erforschbarkeit von Gefühlen und Emotionen durchaus bewusst ist:
Zitat Kapitel 1, S. 11:
"Von allen beschreibbaren geistigen Phänomenen entziehen sich Gefühle und ihre wichtigsten Varianten - Schmerz und Lust -bislang dem Verständnis der Biologie und speziell der Neurobiologie am hartnäckigsten."
Insoweit bezeichnet er den Inhalt als "Zwischenbericht über die Fortschritte der Forschung". Ihm geht es darum, zu beschreiben, was Gefühle sind und was sie bewirken.

Damit überschreitet er automatisch die Grenzen der reinen naturwissenschaftlichen Forschung und so sieht sich Damasio mit seiner eigenen "Theorie der Gefühle und Emotionen" am besten in der Gedankenwelt des Philosophen "Spinoza" gespiegelt.

Die neurowissenschaftliche Quintessenz findet sich meines Erachtens in folgenden Passagen:
(Zitat S. 76, 77 ):
"Emotional besetzte Reize werden sehr rasch entdeckt, noch bevor die selektive Aufmerksamkeit sie erfasst, wie eine eindrucksvolle Entdeckung zeigt: Wenn Schädigungen des Okzipital- oder Parietallappens einen Gesichtsfeldausfall hervorrufen [..], "durchbrechen" emotional besetzte Reize [..] die Barriere der Blindhheit oder des Neglects und werden wahrgenommen. Der auslösende emotionale Apparat erfasst diese reize, weil sie die noralen Verarbeitungskanäle umgehen n- Kanäle, die normalerweise zu konitiven Einschätzungen führen würden, wäre da nicht die Blindheit oder das Neglect-Syndrom. Der Wert dieses biologischen "Bypasses" liegt auf der Hand: Egal, ob wir aufmerksam sind oder nicht, erfassen wir emotional besetzte Reize. Anschließend haben wir die Möglichkeit, unsere Aufmerksamkeit und Gedanken auf diese Reize zu richten. ...[........]........ (S.77): Meine Kollegen Antoine Bechara, Hanna Damasio, Daniel Tanel und ich haben gezeigt, dass eine Schädigung des Frontallappens die Fähigkeit zu emotionalen Reaktionen einschränkt, wenn der emotional besetzte Reiz sozialer Natur ist und wenn die angemessene Reaktion eine soziale Emotion wie Verlegenheit, Schuldgefühl oder Verzweiflung ist. Beeinträchtigungen dieser Art wirken sich nachteilig auf das soziale Verhalten aus." (Zitat Ende)

Damasio fügt auf den folgenden Seiten noch einige neurowissenschaftliche Befunde hinzu. Immer sind es Befunde aus Einzelfallstudien, deren wissenschaftlicher Wert, wie Damasio selbst betont!, immer begrenzt ist. Wie diese einzuordenen sind, sagt er S. 90 letzter Absatz+ S. 91 oben:
"In der Regel dienen die Befunde als Ausgangspunkt für neue Hypothesen und Forschungen und nicht als Schlusspunkt einer Untersuchung. Trotzdem sind in diesem Falle die Daten sehr wertvoll. Sie sprechen für die Annahme, dass sich der Prozess von Emotionen und Gefühlen in seine Bestandteile zerlegen lässt. Außerdem stützen sie eine Grundthese der kognitiven Neurowissenschaft: Jede komplexe mentale Funktion erwächst aus dem Zusammenwirken vieler Gehirnregionen auf verschiedenen Ebenen des Zentralnervensystems, und nicht aus der Aktivität einer einzelnen Region im phrenologischen Sinne." (Hervorhebung von mir)
Seite 230 ff. verdeutlicht Damasio noch einmal, wie seine Ausführungen zu werten sind. Er weist darauf hin, dass seine Ausführungen einem "augenblicklichen" Verständnis der Dinge entstammen und sich ggf. durch neue Erkenntnisse sogar grundlegend ändern können. Seine vorgelegten Hypothesen zur Frage der Gefühle und Emotionen sieht er nicht als endgültige Erklärung.

Insoweit ist die Bezugnahme auf Damasios Hypothesen z.B. für wissenschaftliche Arbeiten oder zur Begründung neuer psychotherapeutischer Vorgehensweisen deutlich verfrüht. Für Vertreter der philosophischen Disziplin stellt Damasio sicherlich eine interessante Herausforderung dar und bietet erweiterte Diskussionsgrundlagen für die Teildisziplin der "Neurophilosophie". Prof. Dr. Wolfgang Lenzen (Universität Osnabrück) hat sich mit einem ausführlichen Essay der "Philosophie" Damasios gewidmet.

FAZIT:
Antonio Damasio wird vielfach fehlinterpretiert, wenn seine Hypothesen darüber "wie Gefühle unser Leben bestimmen" als unmittelbares Ergebnis seiner neurowissenschaftlichen Forschungsvorhaben an neurologischen Patienten gewertet werden. Damit wird man Damasio nicht gerecht, denn er erweist sich als durchaus kritischer und reflexiver Wissenschaftler, welcher seinen Standpunkt argumentativ und interpretativ vermittelt, diesen aber nie verabsolutiert. Ein spannendes, unterhhaltsam geschriebenes Buch mit einem interdisziplinären Ansatz, welcher weit über das hinaus geht, was Singer und Roth an "philosophischen Basisannahmen" zu bieten haben.


Weitere Rezensionen:

Rezension Siebert: hier
Diplom Psychologin Dr. Miriam Spering: hier
Diplom Soziologe Dr. Frank Ufen: hier
im Online-Kulturmagazin Perlentaucher: hier

Anmerkung:

Unsere individuell unterschiedliche selektive Wahrnehmung lässt aus einem Buch doch immer wieder Verschiedenes "heraus lesen", wie man dies unschwer an den Rezensionen erkennen kann ;-))

Mittwoch, 26. Dezember 2007

Dienstag, 25. Dezember 2007

Die Fähigkeit zur Gesichtserkennung und Raumwahrnehmung ist genetisch determiniert

Aktuelle Nachrichten:
The Journal of Neuroscience, December 19, 2007, 27(51):13921-13925; doi:10.1523/JNEUROSCI.4001-07.2007
Nature versus Nurture in Ventral Visual Cortex: A Functional Magnetic Resonance Imaging Study of Twins Thad A. Polk,1 Joonkoo Park,1 Mason R. Smith,1 and Denise C. Park2 1Department of Psychology, University of Michigan, Ann Arbor, Michigan 48109, and 2The Beckman Institute, University of Illinois at Urbana-Champaign, Urbana, Illinois 61801 Correspondence should be addressed to Thad A. Polk, Department of Psychology, University of Michigan, 530 Church Street, Ann Arbor, MI 48109. Email: tpolk@umich.edu

Using functional magnetic resonance imaging, we estimated neural activity in twins to study genetic influences on the cortical response to categories of visual stimuli (faces, places, and pseudowords) that are known to elicit distinct patterns of activity in ventral visual cortex. The neural activity patterns in monozygotic twins were significantly more similar than in dizygotic twins for the face and place stimuli, but there was no effect of zygosity for pseudowords (or chairs, a control category). These results demonstrate that genetics play a significant role in determining the cortical response to faces and places, but play a significantly smaller role (if any) in the response to orthographic stimuli. Key words: ventral visual cortex; functional MRI; face perception; place perception; word perception; twins
Mit funktioneller Kernspintomographie wurden eineiige und zweieige Zwillinge zur Frage genetischer Prädispositionen bezüglich der Erkennung von Gesichtern, Plätzen und Pseudowörtern untersucht.

Die neuronalen Muster bei eineiigen Zwillingen wiesen deutlich mehr Ähnlichkeiten in der Gesichtserkennung und der Erkennung von Plätzen auf, als bei zweieiigen Zwillingen. Keine Effekte hingegen finden sich für Pseudowörter. Die Resultate zeigen, daß die genetische Prädisposition eine bedeutende Rolle spielt, wenn es um Gesichtserkennung und räumliche Wahrnehmung geht.

Sonntag, 23. Dezember 2007

Die Regie im Gehirn - Wo wir Pläne schmieden und Entscheidungen treffen


Elkhonon Goldberg
Die Regie im Gehirn
Wo wir Pläne schmieden und Entscheidungen treffen
ISBN 978-3-935767-04-0, 1. Aufl. 2002, 341 Seiten, 22 €
Verlagsinformationen zum Buch

Aus dem Vorwort von Oliver Sacks im Buch:
"Wie Lurija hat auch er eine Mischung aus maßgeschneiderten, ausgeklügelten Tests mit einer sorgfältigen naturalistischen Beobachtungsgabe verbunden, wobei er die Verrücktheiten der Frontallappen immer scharf im Blick behielt, und das nicht nur in der Klinik, sondern auch auf der Straße, in Restaurants, im Theater, einfach überall. (Goldberg bezeichnet sich in diesem Zusammenhalg als "kognitiver Voyeur".) Eine außergewöhnliche Phantasie und Einfühlungsgabe durchdringt alles, wenn er versucht , die Welt mit den Augen seiner Patienten zu sehen. Nach dreißig Jahren der Beobachtung und Erfahrung hat er einen Grad an Einsicht erlangt, der, so sollte man meinen, seinen Mentor Lurija entzückt und überrascht hätte."


Goldberg beleuchtet in seinem Buch die vielfältigen Aufgaben der Frontallappen:
  • - hochgradig zielgerichtetes Verhalten
  • - Identifizierung des Ziels oder Anstrebung des Ziels
  • - Organisieren der Mittel, mit denen die Pläne in die Tat umgesetzt werden
  • - Einschätzung und Abwägung der Konsequenzen unseres Handelns

sowie Besonderheiten neurologischer Störungen und deren Zuordnung zu Fehlfunktionen im Frontallappen:
  • - Antriebslosigkeit von Parkinson-Patienten
  • - Impulsivität von Tourette-Patienten
  • - leichte Ablenkbarkeit bei ADHD
  • - Drang zu ständigen Wiederholungen bei Zwangsneurosen
  • - Mangel an Empathie bei Autisten oder chronischer Schizophrenie
Goldberg schildert komplexe Sachverhalte verständlich, nachvollziehbar,lebendig, mit Humor und vermischt mit persönlichen Erfahrungen. Der Leser erfährt seine persönliche wissenschaftliche Entwicklungsgeschichte, welche das Buch richtig spannend werden lässt, weil man quasi selbst in die Rolle des neugierigen Forschers Goldberg "schlüpft".

Die von vielen Neurowissenschaftlern angenommene modulare Struktur des Gehirns stellt Goldberg in Frage. Aufgrund seiner zwanzigjährigen Entwicklungs- und Testphasen, dem Sammeln von umfangreichem Beweismaterial belegt Goldberg, dass die Annahme eines modularen Aufbaus der Gehirnstruktur nicht zutrifft. Er sieht die Struktur des Gehirns als "kognitives Kontinuum" , einen Gradienten:

"Eine sorgfältige Analyse der Folgen einer Schädigung des Neokortex lässt darauf schließen, dass hier nicht mehr einzelne, isolierte Module oder Regionen bestehen, sondern dass sich ein allmählicher Übergang von einer kognitvien Funktion zur nächsten vollzieht, der einer graduellen, ununterbrochenen Bahn entlang des Kortex entspricht." (Zitat Vorwort Oliver Sacks, S. 15)

FAZIT:
Goldberg besticht durch seine Gabe, Wissenschaft unterhaltsam und immer auch kritisch hinterfragend präsentieren zu können. Die biografischen Elemente sorgen für sehr viel Lebendigkeit und wecken auch beim Leser den Forscherdrang und die Neugierde. Das Buch interessiert kognitive Neurowissenschaftler, Neuropsyologen,an den Neurowissenschaften interessierte Laien, Lehrer, und Psychiater / Neurologen, sowie Psychologische Psychotherapeuten.

Goldberg ist außerdem einer der weniger Neurowissenschaftler, welcher sich Gedanken über die Möglichkeiten und Grenzen ihrer Forschungsinstrumente macht und selbst eigene Interpretationen immer wieder kritisch hinterfragt. (siehe: http://www.neuropaedagogik.de/html/grenzen_.html)

Weitere Rezensionen:
Dr. Markus Fendt: hier

Donnerstag, 20. Dezember 2007

Wer erklärt den Menschen

Carsten Könneker (Hg.)
Wer erklärt den Menschen?
Hirnforscher, Psychologen und Philosophen im Dialog
Broschiert - Fischer (Tb.), Frankfurt (Dez 2006) - 286 Seiten
ISBN 3596173310 - ISBN-13 9783596173310 - 12,95 €

44 namhafte Wissenschaftler aus den Wissenschaftsbereichen der Philosophie, Psychologie, Theologie, Klinische Psychologie, Wissenschaftsphilosophie, Biopsychologie, Kognitionspsychologie, Forensische Psychiatrie, Entwicklungspsychologie, Biologie, Sozialpsychologie, Medizin und des Strafrechts kommen in Könneker's Sammelband zu Wort.
Carsten Könneker (Natur- und Geisteswissenschaftler) ist Chefredakteur der Zeitschrift Gehirn & Geist. Die Breite seiner wissenschaftlichen Ausbildung und sein Bestreben zur Interdisziplinarität spiegelt sich in der Vielfalt der gesammelten Beiträge (aus Gehirn & Geist) wieder. Im Wissenschaftsblog lädt er ein in die Gute Stube, ein Raum für interdisziplinäres Denken....... Wer sich einen Überblick über den Stand der Neurowissenschaften, ihrer verschiedenen Forschungszweige und ihrer Rezeption in den Geisteswissenschaften in gut verständlicher Weise verschaffen möchte, ist mit diesem Band bestens bedient.

Kapitel:
1. Die Biologie des Bewusstseins
2. Die Zukunft der Hirnforschung (Das Manifest)
3. Quo vadis, Psychologie (Psychologie im 21. Jahrhundert - das "Gegenmanifest")
4. Willensfreiheit (u.a. auch Strafrecht und Willensfreiheit)
5. Grenzen der Hirnforschung
6. Neuroethik und Menschenbild

Besonderheiten des Buches:
+ Überblick zum Stand der Neurowissenschaften
+ Meinungsvielfalt
+ Interdisziplinarität
+ konträre Positionen
+ gut verständlich (auch für wissenschaftlich interessierte "Laien" geeignet)
+ gutes Preis-Leistungsverhältnis

FAZIT:
Das Buch bietet einen gut lesbaren Überblick zum Stand der Neurowissenschaften und der damit verbundenen, diskutierten Problemfelder.

Wie interessant, spannend und aufschlussreich das kleine und dabei ganz "große" Taschenbuch "Wer erklärt den Menschen" ist, hat Dr. Michael Blume in seinem Blog "Religionswissenschaften aus Freude" geschildert: Carsten Könneker (Hg.): Wer erklärt den Menschen?

Weitere Rezensionen zum Buch:
Neurobiologin Tagrid Yousef: hier

Eine kurze Reise durch Geist und Gehirn


Eine kurze Reise durch Geist und Gehirn.
Vilaynur S. Ramachandran
Rowohlt Tb. (Sep 2005) - 190 Seiten - 8,90€
ISBN 3499619873 - ISBN-13 9783499619878

Der Autor des Buches ist Mediziner und Experimentalpsychologe. Ausgangsbasis seiner in diesem Buch zusammengefassten Vorträge sind neurologische Funktionsstörungen, hervorgerufen durch eine Veränderung in einer winzigen Hirnregion der Patienten. Auch wenn kritische Leser seinen Standpunkt zur Reichweite neurowissenschaftlicher Forschung nicht teilen können, so kommt man nicht daran vorbei sich von seiner Faszination über seine Erkenntnisse zu neurologischen Störungen anstecken zu lassen.

Ramachandran führt den Leser auf verständliche Weise in die faszinierende Welt(en) seines Klientels ein: Menschen mit Phantomgliedern, Synästhesien, visuelle Verarbeitungsstörungen und Capgras-Syndrom.

Skeptiker und Kritiker der modernen Neurowissenschaft dürfen sich bei der Lektüre über die implizit enthaltenen Widersprüche Ramanchandrans "freuen":

[..]jetzt stehen wir vor der größten Revolution - der Erklärung des menschlichen Gehirns. (s.17) [...] Es heißt, es gebe im gesamten Universum keine Struktur, die so komplex organisiert ist wie das menschliche Gehirn...[...] Daraus hat man errechnet, dass die Zahl möglicher Anordnungen und Kombinationen von Gehirnaktivitäten - mit anderen Worten, die Zahl der Gehirnzustände - die Zahl der Elementarteilchen im bekannten Universum übersteigt. (S.18)
Anhänger der "Kein-Freier-Wille-Theorie" finden bei Ramachandran einen Fürsprecher.

Besonders interessant fand ich Ramachandran's Ausführungen zum "künstlerischen Gehirn".

FAZIT: Ein preiswertes, absolut lesenswertes Buch auch für neugierige "Laien" gut geeignet. Ramnchandran schont seine Leser, indem er auf langwierige und anspruchsvolle neurophysiologischen Details verzichtet. Seine neurologischen Ausführungen dürften manchem Facharzt für Neurologie noch Neues bieten.

Publikationen des Autors zum Download: hier

Dr. Grit Vollmer Diplom Biologin: hier

Mittwoch, 19. Dezember 2007

Altern mit Köpfchen

Und da ist sie - die Antwort, dass man dem "Altern" doch etwas entgegen setzen kann......

Zitat: Max-Planck Institut - Pressemitteilungen

"Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr" sagt der Volksmund. Fälschlicherweise. Selbst Opa Hans kann es noch lernen, auch wenn es ihm schwerer fällt. Denn das Gehirn bleibt ein Leben lang wandlungsfähig - und diese Eigenschaft ist die Voraussetzung für geistige Lernprozesse. Am Berliner Max-Planck-Institut für Bildungsforschung untersuchen Forscher, wie sich diese Wandlungsfähigkeit des Denkorgans im Laufe der Jahre verändert. Das Ziel: Wege zu finden, um den Geist möglichst lange fit zu halten. Einer unserer Autoren hat sich in ihr Labor gewagt und berichtet darüber in der neuesten Ausgabe der MaxPlanckForschung (1/2007).

Ausführlich
PDF-Dokument zum Thema

Deutung und Interpretation der hirnphysiologischen Tatsachen




"Denkfehler - Das Dilemma der Hirnforschung" tituliert Thomas Hardtmuth sein Buch zu "reduktionistischen Auffassungen der Hirnforschung (Amthor-Verlag 1996,
19.80 Euro ISBN 3-934104-25-8)

Im Vorwort von Karl Offenhäuser wird treffend beschrieben, was T. Hardtmuth in seinem Buch genauer unter die Lupe nimmt:
"Verführt von ihren spektakulären Ergebnissen haben manche Forscher ihre Wissenschaft durch eine "Gehirnmythologie" gekrönt. Sie haben menschliches Erleben, das von höchster Beglückung bis zur tiefsten Traumatisierung reichen kann, zu biochemischen Vorgängen zusammenschrumpfen lassen"
T. Hardtmuth thematisiert Bereiche der Hirnforschung worüber bis heute noch keine Erkenntnisse vorliegen und die Forscher in ihren "wissenschaftlichen Erklärungsmodellen" schlicht schweigen.
Er beklagt, dass Phänomene der Wahrnehmung, des Denkens, des Bewusstseins und des Geistes etc. aus dem wissenschaftlichen Kontext wegdefiniert werden. So fragt er, meines Erachtens zu Recht:
"Wie aus dem Zusammenwirken von Neuronen, Aktionspotentialen und Neurotransmittern die Qualität des Denkens entspringen soll, bleibt weiter rätselhaft.. [...]..alle Versuche, den Geist aus der Nervenzelle heraus zu erklären, verunglücken letztlich in abenteuerlichen Theorien und wilden Spekulationen."(Zitat S. 22)
Hardtmuth nimmt die experimentelle Grundlage (Libet-Experiment) zur - in den Neurowissenschaften behaupteten - Nicht-Existenz des Freien Willens unter die Lupe und analysiert gekonnt die darin enthaltenen "Denkfehler".

Als Mediziner kennt T. Hardtmuth die " Welt der Anatomie und Physiologie" und damit auch ihre Reichweite. Ein lesenswertes, gut verständlich geschriebenes Buch für alle jene, die sich über die Grenzen der neurowissenschaftlichen Forschung und der (Nicht-) Existenz des freien Willens informieren wollen.

Verwandter Link: Wissenslogs

Freitag, 14. Dezember 2007

Pflichtbewusstsein schützt vor Alzheimer

Zitat aus www.wissenschaft.de

"Pflichtbewusstsein schützt das Gehirn

Nonnen und Mönche erkranken seltener an Alzheimer

Sehr pflichtbewusste und gewissenhafte Menschen haben ein geringeres Alzheimerrisiko. Das schließen amerikanische Forscher um Robert Wilson von der Rush-Universität in Chicago aus einer Studie mit tausend älteren Nonnen und Mönchen. Die genaue Ursache für das geringere Demenzrisiko ist unklar. Wahrscheinlich trainieren die Nonnen und Mönche durch ihr gewissenhaftes Arbeiten bestimmte Gehirnareale, die Demenzerscheinungen kompensieren können, vermuten die Wissenschaftler.........

Ausführlich:
http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/news/284294.html


Wenn man hieraus vorsichtige Schlußfolgerungen zieht, dann scheint ein gut organisiertes, mit festen verantwortungsvollen Aufgaben versehenes Leben Demenzentwicklungen - zumindest bis zu einem bestimmten Grad - in Schranken zu halten.

Samstag, 8. Dezember 2007

Hirnforschung: Wenn das Hirn in die Jahre kommt

Zitat: Newsticker www.wissenschaft.de
07.12.2007 - Hirnforschung:


Wenn das Hirn in die Jahre kommt

Wissenschaftler finden Erklärung für den altersbedingten kognitiven Leistungsabfall

Beim Altern nimmt die Leistung des Gehirns bei der Wahrnehmung ab, weil große Gehirnregionen nicht mehr richtig miteinander in Verbindung stehen. So erklären Wissenschaftler der Harvard-Universität die abnehmende mentale Leistungsfähigkeit älterer Menschen. Diese gestörte Kommunikation zwischen den einzelnen Hirnregionen tritt auch beim natürlichen Altern und nicht nur bei Krankheiten wie Alzheimer auf, zeigten die Wissenschaftler beim Vergleich von Hirnscans von jungen und älteren Probanden.....

Ausführlich:
http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/news/286229.html

Jetzt wissen wir, was passiert wenn wir älter werden. Können wir etwas dagegen tun? Was sagt die Hirnforschung dazu?

Oder hilft uns dieses Wissen weiter, um im Umgang mit älteren Menschen daran zu denken, dass nicht nur ihr Körper, sondern auch ihr Geist langsamer und gebrechlicher ist ?

Nun, wenn wir fleißig bloggen und die Gehirnverbindungen in "Verbindung" halten, haben wir vielleicht die Chance, dass unsere graue Substanz und die Anzahl der Neurotransmitter langsamer schwindet.....